Berliner Spitzenpolitiker sorgen sich um kritische Infrastruktur
Berliner Energietage 2026
KRITIS in Berlin – Resilienz, Schutz und Handlungsfähigkeit
Die Spitzenvertreterinnen und -vertreter der Berliner Landespolitik haben sich in einer vom KKI e.V. organisierten Podiumsdiskussion bei den Berliner Energietagen am Dienstag ein klares Bekenntnis zum Schutz der kritischen Infrastruktur in der Hauptstadtregion abgegeben. Der KKI e.V. hatte mit Lucas Schaal (CDU), Steffen Krach (SPD), Werner Graf (Bündnis 90/Die Grünen) und Elif Eralp (Die Linke) politische Entscheidungsträger der Berliner Landespolitik eingeladen, um vor mehr als 200 Gästen der Berliner Energietage zentrale Handlungsbedarfe für die Resilienz kritischer Infrastrukturen (KRITIS) – auch im Hinblick der anstehenden Wahlen und vor dem Hintergrund des Brandanschlags auf Stromnetz Berlin im Januar dieses Jahres – zu diskutieren.
Martin Debusmann lenkte als 1. Vorsitzender des vor 15 Jahren gegründeten Vereins Kompetenzzentrum Kritische Infrastrukturen den Fokus auf die allgemeine und in Bezug auf die Hauptstadt Berlin spezielle Bedrohungslage für KRITIS-Betreiber, die nicht nur von Extremisten, sondern auch kriegerischen Auseinandersetzungen und Naturereignissen ausgeht. „Der Anschlag im Januar war nicht der erste in der Region“, sagte Debusmann und verwies auf Anschläge in Grünheide (Tesla) und Adlershof. Er wünsche sich, mehr Hinweise an die Betreiber kritischer Infrastrukturen zu aktuellen Gefahren aus den Behörden heraus.
Die vier Berliner Spitzenpolitiker sprachen sich in der von Alexander Fröhlich (Tagesspiegel) moderierten Veranstaltung durchweg dafür aus, Resilienz, Schutz und Handlungsfähigkeit der KRITIS in Berlin zu stärken, wobei die Parteien die Schwerpunkte unterschiedlich setzen.

Bild: ENERGIETAGE / Anne Freitag
Elif Eralp (Die Linke):
Berlin hat eine hohe Dichte von kritischen Infrastrukturen – sie seien nicht zu 100 Prozent zu schützen. Beim Katastrophenschutz müssten vor allem die sozialen Folgen für alte, kranke Menschen und Geflüchtete mitgedacht werden. Es gehe darum, Unterkünfte schneller bereitzustellen, die Kommunikation zu verbessern und Finanzierungsfragen für unterstützende Angebote zügiger zu klären. Für Investitionen in die Sicherheit müsse der Staat aufkommen, da viele Menschen schon die Hälfte ihres Einkommens für die Miete aufzubringen hätten. Insgesamt gehe es darum, eine geopolitische und fossile Unabhängigkeit zu erreichen.

Bild: ENERGIETAGE / Anne Freitag
Steffen Krach (SPD):
Der SPD-Spitzenkandidat will auch die Bundesregierung in die Pflicht nehmen, wenn es um eine resiliente Infrastruktur in der Hauptstadtregion geht. Wie auf nationaler Ebene müsse es auch für Berlin dringend einen Sicherheitsrat geben, der Katastrophenschutz müsse neu aufgestellt werden. All das sei schnell umzusetzen, weil die Gefahr aus Russland größer sei als das, was wir im Januar erlebt hätten. Krach verweist außerdem auf den Operationsplan Deutschland, der zügig umgesetzt werden müsse und forderte Zurückhaltung bei der Bereitstellung von öffentlichen Informationen über KRITIS-Betreiber. Die SPD habe nach dem Brandanschlag auf Stromnetz Berlin mit Franziska Giffey als Senatorin gezeigt, dass das Thema resilienter Infrastruktur bei der SPD gut aufgehoben sei.

Bild: ENERGIETAGE / Anne Freitag
Werner Graf (Bündnis 90/Die Grünen):
Der Politiker fordert Notfallpläne, eine schnellere Reaktion von Behörden, beispielsweise beim Ausrufen einer Großschadenslage, und die umfassende Aufklärung der Bevölkerung. Nach dem Brandanschlag im Januar habe es viel zu lange gedauert, bis die Großschadenslage ausgerufen worden ist. Erschreckend sei auch, dass nur fünf von insgesamt 34 Abteilungen des Landes Berlin wussten, dass sie für das Thema kritische Infrastruktur zuständig sind. Graf verwies außerdem darauf, dass angesichts von jährlich 14 Millionen digitalen Angriffen auf Berlin dringend etwas getan werden müsse. Verfassungsschutz, Polizei und Staatsanwaltschaft müssten in die Lage versetzt werden, gegen die Zunahme von Gewalt konsequent vorzugehen. Der Grünen-Politiker stellte in der Debatte die Videoüberwachung von strategisch wichtigen KRITIS-Anlagen infrage: Die würde bei einem Anschlag wie dem in Januar nicht helfen, wenn die Täter vermummt seien. Seine Partei wolle einen Maßnahmenplan erarbeiten, in dem auch der Verkehrssektor als mögliches Anschlagsziel berücksichtigt werde. Allerdings, schränkte Graf ein, sei die Haushaltslage angespannt.

Bild: ENERGIETAGE / Anne Freitag
Lucas Schaal (CDU):
Der Sprecher für Wirtschaft und Energie der CDU-Fraktion im Abgeordnetenhaus sieht das Land Berlin auch durch eine bereits mit der SPD gegründete AG Resilienz auf dem richtigen Weg. Man habe schon eine Reihe von Punkten herausgearbeitet, die verbessert werden müssen, betonte er. Zentrale Frage sei dabei: Wie können wir solche Anschläge verhindern? Schaal zeigte mit dem Finger neben Linksextremisten auf Russland und China, die unser System destabilisieren wollen und mahnte, genau zu überlegen, welche Informationen zu kritischen Infrastrukturen ins Internet gestellt werden. Der Politiker forderte nicht nur stabile Kommunikationsnetze im Krisenfall, sondern auch mehr Katastrophenschutzübungen unter Einbeziehung der Bevölkerung. Darüber hinaus sei eine enge Abstimmung zwischen Berlin und Brandenburg nötig. Energiepolitisch sei Berlin bei einer Großschadenslage auf Brandenburg angewiesen.